Flirt-Dreh für SAT 1 beim parkdeckzehn in Karlsruhe

„Wie flirtet man stilvoll?“ Das war das Thema eines Beitrags, der für
die Sendung „weck up“ von SAT1 gedreht werden sollte. Die Redakteurin
kannte mich bereits von einer früheren Sendung über mein Buch „Kleine
Signale, große Wirkung“ und fragte mich, ob ich wieder als Flirtcoach
ein Flirt-Experiment kommentieren wolle. Das Experiment sollte in
Karlsruher Biergärten stattfinden und mit versteckter Kamera gefilmt
werden. Klang spannend und ich war neugierig, was passieren würde.
Strahlende
Sonne, das Wetter war perfekt. Vier Leute begrüßten mich, Barbara, die
Redakteurin, Thorsten, der Kameramann, und Sally und Eva, die beiden
Protagonisten, die vor laufender Kamera flirten sollten. Sally, ein gut
aussehender südländischer Typ, Eva, ein blondes großes Model, das alle
Blicke auf sich zog, mit ihrer Traumfigur und dem passenden Outfit. Die
Regisseurin Barbara gab die Anweisungen „Zuerst machen wir eine
Vorbesprechung irgendwo an einem ruhigen Platz, Sie geben den beiden
Tipps zur Kleidung und zur Körpersprache beim Flirt, und dann geht’s ab
in die Praxis. Sally fängt an, der wird verkabelt und macht ein paar
Flirtversuche. Dann kommt Eva dran. Wenn das jeweilige Gespräch zu
Ende ist, lösen wir das auf und müssen um Erlaubnis fragen, ob wir die
Genehmigung bekommen, einen Teil der Szene zu verwenden.“
Ich
war darauf eingestellt, dass es mehrere Stunden dauern würde. Wusste
ich ja aus früheren Gelegenheiten, dass eine Sendeminute im Allgemeinen
eine Drehstunde erfordert. Diese Faustregel galt auch hier. Für den
Vier-Minuten-Dreh waren wir mit Vorbesprechung und Abschlussinterview
fast fünf Stunden unterwegs. Spannende Stunden, die uns allen Spaß
machten. Es lief richtig gut.
Sally als Mann hatte natürlich den
weitaus schwereren Job, beim ersten Mal auf dem Ludwigsplatz blitzte er
ab: „Wir wollen unter uns bleiben.“ Beim zweiten Mal gelang es ihm,
zwei Frauen in ein Gespräch zu verwickeln, beim dritten Mal, als er
zwei Mädels auf der Straße ansprach und nach dem Weg zum Parkdeckzehn
fragte, waren die beiden Mädels bereit, ihm Auskunft zu geben und auf
dem Weg dorthin zu begleiten. „Wie er denn gewirkt habe?“ Das
einstimmige Urteil: „Er kam sehr sympathisch rüber, nicht
aufdringlich.“ Ob er sich denn dazu hätte setzen dürfen? „Hmm,
vielleicht an einem anderen Tag, heute wollten wir aber lieber unter
uns sein und was miteinander besprechen.“ In allen Fällen bekam das
Team auch die Erlaubnis, die Szenen verwenden zu dürfen.
Dann
wurde Eva verkabelt. Wir machten uns auf den Weg zur Kaiserstraße, Eva
voran, die Ausschau nach passenden Flirtpartnern hielt, wir in
gebührendem Abstand hinterher, als sie zwei Männer ansprach. Auch ihr
Gesprächsaufhänger war die Frage nach dem „parkdeckzehn“, der großen
Strandbar auf dem Karstadt-Parkdeck. Die beiden wollten nicht unter
sich bleiben, sie wussten zwar nicht genau, wo die Strandbar war, aber
dafür luden sie Eva ein, mit ihnen zu kommen und zeigten ihr auf dem
Stadtplan, wo sie hinwollten. Die nächsten beiden Männer, die sie
ansprach, reagierten ähnlich: Überrascht, erfreut, die unerwartete
Gelegenheit beim Schopfe packend. Auch die beiden wollten keinesfalls
unter sich bleiben, sondern änderten ganz spontan ihre Pläne und boten
Eva an, sie zur Strandbar zu begleiten. Alle vier reagierten auch sehr
sympathisch, als die Szenen aufgelöst wurden und sie den Grund
erfuhren, warum sie angesprochen wurden. „Schade, dass es nicht echt
war. Ist uns noch nie passiert. Wäre schön, wenn sich Frauen in der
Realität wirklich trauen würden.“
Inzwischen waren wir schon
drei Stunden unterwegs, die Füße schmerzten in den schicken Schuhen,
das Parkdeckzehn war nur noch wenige Schritte entfernt. „Ihr werdet
begeistert sein von dieser tollen Location“, hatte ich versprochen.
„Man fährt mit dem Aufzug hoch und fühlt sich wie im Urlaub am Strand.“
Das riesige Parkdeck war voll. Das reinste Flirtparadies für Eva. Hier
im Gewühle war es allerdings für mich nicht mehr möglich, dem Geschehen
zu folgen, dafür knüpfte ich interessante Kontakte mit dem Chef der
Location – kam natürlich gleich wieder ein neues Event für uns heraus –
und den interessanten Tischnachbarn, die das Geschehen mit der Kamera
interessiert verfolgt hatten.
Auch Sally probierte sein Glück
noch mal, allerdings vergeblich. Entweder saßen Männer mit am Tisch,
oder die Mädels waren so ins Gespräch vertieft, dass er keinen
Blickkontakt aufnehmen konnte. Inzwischen waren wir auch gut vier
Stunden auf den Beinen und müde vom Flirt. Barbara war hochzufrieden.
„Die Szenen reichen wirklich. Und alle haben die Erlaubnis gegeben,
dass wir das Material verwenden dürfen. Der Dreh hat wirklich Spaß
gemacht.“
„Man sollte einfach mehr Mut haben“, so das Fazit von beiden. Eva war überrascht davon, wie positiv alle Männer auf das Erlebnis, von
einer Frau angesprochen zu werden, reagiert hatten. „War noch keinem
vorher passiert, aber sie fanden das alle gut und hätten sich
gewünscht, dass das öfter passiert.“
Für Sally war es weitaus
schwieriger, ein Gespräch anzufangen. Im Biergarten konnte er gar nicht
mehr landen. „Obwohl da so viel los war und so viele Frauen saßen. Aber
auf der Straße war es einfacher, man konnte unauffälliger auf sie
zugehen und sie fragen. Im Biergarten fand ich es viel schwieriger, als
die Frauen im Gespräch vertieft waren.“
Ob die beiden ihr
„Experiment“ auch im Privatleben fortführen wollen? Ich bin gespannt,
ob ich mal was von ihnen höre. Beide sind Single. Bisher jedenfalls.







