Mit der Schafherde durch den Pfälzer Wald

"Kein Fun heute," sagt Yan, der die Tour organisiert hat. ""Sondern Reality",  Und tatsächlich. Im Lauf des Tages bekommen wir einen kleinen Einblick in das harte Leben eines Schäfers, das so idyllisch scheint. Zuerst versammeln wir uns vor der eingezäunten Weide. Vielleicht 150 Schafe, viele tapsige Minis dazwischen, gerade erst geboren oder ein paar Tage alt. Wie süß. Wir sind hin und weg und lauschen gebannt den Erzählungen des urigen Schäfers Andreas.

Es wird ernst, die Schafe werden von einer Weide zur nächsten gebracht. Die liegt gleich daneben, ein Feldweg muss überquert werden. Der Hund treibt die Schafe an. Ein Geblöke und Gerufe. Die großen Tiere setzen sich in Bewegung, ein Teil unserer Gruppe bildet eine Mauer, damit bei der Umsetzung kein Schäfchen verlorengeht, die anderen versuchen die Minis aus der Koppel zu kriegen. Die rennen verschreckt immer im Kreis herum, bis sie schließlich einzeln herüber getragen werden. Der Zaun wird abgebaut und auf der neuen Weide wieder aufgebaut. Meter für Meter aufgerollt, die Stäbe in den harten Boden geklopft.. Dabei immer schön aufpassen, dass die Schafe auf der Weide bleiben. Die Mittagspause haben wir uns wirklich verdient. Picknickdecken ausbreiten, in der warmen Sonne dösen, essen, was der Rucksack hergibt, den Zaun fertig machen, die Stöcke einschlagen in den harten Boden, das Netz richtig spannen.

Reality - ein  Tier ist tot. Nicht wegen der Umsetzaktion. Was Falsches gefressen. Zuviel Wolfsmilch. Betroffen schauen wir zu, wie ein zweites im Koma liegt und verendet. Später zieht  Andreas diesem Lamm das Fell ab und zeigt uns, wie ein anderes Lamm in das Fell gesteckt werden kann, wenn es Milch braucht von einer fremden Mutter, die es in diesem Fell dann akzeptiert. Die Klauen der Schafe müssen auch gepflegt werden. Andreas zeigt uns, wie die Hornhaut geschnitten werden muss. Welch Aufgabe bei den vielen Tieren.

Die zweite Herde muss noch umgesetzt werden. So was dauert. Es ist warm. Andreas steigt in die Koppel, greift sich die Neugeborenen mit einem Haken am Fuß und verfrachtet sie mitsamt Mutter in den Hänger. Ein paar Freizeittreffler klinken sich aus, die Vision von Kaffee und Eis lockt.zu sehr. Ich liebäugle auch mit der Möglichkeit, jetzt auszusteigen. Aber nein, sagen die anderen, wir machen weiter. Jetzt kommt ja erst der schwierige Teil.

Tatsächlich. Die Herde muss 100 oder 200 m weit über die Landstraße. Raus aus der Koppel, direkt daneben ein saftiger Grünstreifen im Schatten, wo sie sich niederlassen und auseinanderstreben. Wir bauen zwischendurch die Zäune wieder ab und sammeln die übrig gebliebenen Schafe ein. Dann wird's turbulent, der Hütehund treibt die Schafe an, wir stolpern in einer Reihe hinterher, es muss alles sehr schnell gehen, damit die Herde zusammenbleibt. Es dauert, bis sie sich in Bewegung setzt, dann geht alles sehr schnell. Rauf auf die Straße. Ein paar Schafe büxen aus, die Böschung hoch, kommen sie nicht mehr runter, enden sie als Futter für Füchse und Wildschweine. Wir rufen und schwitzen und klatschen. Es gelingt, die Ausreißer alle einzufangen und sicher auf die nächste Wiese zu geleiten. Mein lieber Mann, ganz schön aufregend, die Reality und der Einblick in das harte Schäferleben. War ein Klasse Tag, da waren wir uns alle einig.