Mittealter pur - Spectaculum Karlsruhe
Ein begeisterter Bericht, den Silke geschrieben hat: "Um 13:00 Uhr fand sich der erste Teil unserer großen Gruppe bei sonnigem, warmen Augustwetter vor dem Karlsruher Schloss ein. Nach einem kurzen Rundgang durch den wundervollen mittelalterlichen Handwerker- und Händlermarkt, ließen wir uns in einem Arabischen Zelt auf niedrigen Hockern und Schaffellen nieder.
Bei köstlichem Kaffee und leckeren süßen Teilchen versuchten wir - ernsthaft wie wir nun einmal sind - heraus zu finden, ob es den ausgestellten und zum Verkauf angebotenen Keuschheitsgürtel für Männer wirklich bereits im Mittelalter gab. Allerdings konnten wir diese Frage nicht abschließend klären, auch nicht ob dieser besondere Gürtel wirklich einem unserer Jungs gehörte, wie dieser zu unserer Erheiterung behauptete.
Anschließend marschierten wir von einem Stand zum nächsten und bewunderten zwischendurch die zahlreichen Vorführungen auf den verschiedenen Bühnen.
Für unser leibliches Wohl war bestens gesorgt und man konnte mit der Marktwährung, den halben und ganzen Goldtalern, die feinsten Leckereien erstehen.
An Speisen gab es interessante, wasserimmundzusammenlaufenlassende Köstlichkeiten wie Truthahntaschen, Pfurzkraut, Falaffel, Furzbrot und Drachenwurst.
Die Getränke waren ebenfalls sehr ausgefallen und führten uns in Versuchung. So konnten (und wollten) wir dem Kirsch-, Odin- und Honigbier, Met und den verschiedenen Fruchtweinen aus Heidelbeeren, Schlehen und Holunderbeeren nicht widerstehen.
Besondere Highlights waren die feierliche bunte Markteröffnung, der unblutige Kampf der Ritter, die lautstarke Soldauszahlung, das lichterlohe und lautknallende Traumspektakel und der große, stinkende Pestumzug mit den Nonnen und den Weißmaskierten.
Einen Einblick in die Musikszene des Mittelalters gaben uns die Bands „Cultus Ferox“ und „Wohlgemut“ mit ihren außergewöhnlichen Instrumenten. Der absolute Höhepunkt waren jedoch die „Saltatio Mortis“ – da musste wirklich jedes Tanzbein mitschwingen.
Unendlich interessant und faszinierend waren die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die sich hier zusammenfanden. Da war die wunderschöne, männerangsteinflösende Amazone. Die edel gekleideten Adligen. Der altehrwürdige Zauberer mit dem langen Bart und den weißen Haaren. Die Ritter mit ihren schweren, knarrenden Rüstungen. Die einer Elfe gleichenden, mit einem silbernen Stirnreif geschmückte Waldfrau. Das Mannsbild mit dem unsfraueninteressierenden bis zur Hüfte geschlitzten Rock. Die Frau mit den knallroten Haaren, die wir gleich als Hexe identifizierten. Und nicht zu vergessen die verschiedenen Gestalten aus der Gothic-Szene aus unserem Jahrtausend.
Mit dem Wetter hatten wir absolut Glück und der kurze Regen gegen Abend konnte uns auch nicht vertreiben.
Erst kurz vor 24:00 Uhr verließ dann der harte Kern des Freizeittreffs das Mittelalterliche Marktgelände und machte den Ausklang in der Krone am Karlsruher Marktplatz.
Dieser Tag war eine Rückkehr in längst vergangene Tage, mit Eindrücken wie sie bereits unsere Ahnen erlebt hatten. Welche Gedanken und Gefühle hätten sie wohl, wenn sie (mit dem Freizeittreff ihrer Zeit) einen Ausflug in unser Zeitalter machen könnten? Es wird ein Geheimnis bleiben, ob es ihnen auch einen solchen Spass machen würde.
Für mich bleibt allerdings die grünpatinierte Kupferschale, bei der durch Streicheln der beiden Griffe, das Gefäß zum Singen und das Wasser in Wallung und Springlaune gebracht werden sollte, das größte Geheimnis dieses Tages.
Dieses „mittelalterlich Spectaculum“ hat wirklich alle Sinne angesprochen!
In diesem Sinne: Gehabt Euch wohl! Eure Silke







