Packesel-Wanderung mit Yan
"Sind die süß". Pünktlich um zehn waren alle versammelt, nicht nur die Kids waren begeistert, die ersten Mohrrüben wurden ausgepackt und die Esel gestreichelt. Doch bevor es losging, wurden den beiden, Mo und Alex, die Hufe ausgekratzt, dann luden wir unsere Rucksäcke in die Satteltaschen. "Alles drauf, ein Esel kann 40 kg tragen". Dann gab Yan uns eine kurze Einführung: "Erstens aufpassen, dass sie unterwegs nicht fressen. Sonst gehen sie nicht weiter. Und zweitens, wenn man will, dass ein Esel vorwärts geht, nicht einfach an der Leine ziehen, sondern schön im Halbkreis gehen. Und drittens, wenn's bergab geht, wird ein Esel immer schneller. In dem Fall sollte jemand vor ihm gehen, so dass er nix sieht. Ganz wichtig auch, wenn einer durchgeht, rennt der zweite sofort seinem Partner hinterher. Schließlich sind das Mann und Frau."
Aha. Die ersten Mutigen ergriffen etwas zögerlich den Führstrick und die Meute setzte sich in Bewegung. Langsam ging's voran. Mit Ziehen und Zerren und Drücken und Lachen erreichten wir unser erstes Ziel, die Reste einer kleinen Burg, wo wir die erste Rast machten und Yan von gefundenen Skeletten und düsteren Verliesen erzählte. Dann ging's steile Hänge hinunter, wir kamen ins Schwitzen, die Esel ins Schleudern, und so erreichten wir eine wunderschöne sonnenwarme Blumenwiese für's Mittags-Picknick. Die Pause hatten wir uns auch wirklich verdient, breiteten die Decken aus, suchten Pflöcke und Steine, um die Esel anzubinden, stärkten uns, dösten in den strahlendblauen Himmel und lagen faul in der lang ersehnten Sommersonne.
Nach der Mittagspause gings weiter. "Jetzt kommt die Eselprüfung", meinte Yan. "Dazu brauchen wir ein paar kräftige Stöcke. Die müssen wir im Wald suchen." Die waren bald herbeigeschleppt und eingeschlagen, das Ganze sah verdächtig nach einer Slalomstrecke aus. War's dann auch. Paarweise mussten wir antreten und die Esel zum Slalom locken. Taten alle Paare mit viel Konzentration, Begeisterung und Kreativität. Manche griffen sogar zu unlauteren Mitteln, sprich Möhren, die sie ihrem Esel vor die Nase hielten. Was aber nicht unbedingt zu mehr Schnelligkeit führte *g*.
Weiter gings. Nachdem wir nun derart geschult waren, meisterten wir auch die kommenden Herausforderungen mit Bravour. Der Nachmittag verging mit steilen Anstiegen und Abstiegen, mit Hochziehen und Runterrutschen, aber die Mannschaft hatte die Esel inzwischen gut im Griff und freundschaftliche Bande zu den Tieren geknüpft. Esel sind auch nur Menschen, haben wir gelernt. Es drängten sich wirklich oft Vergleiche zu zickigen Frauen, sturen Männern und sturen Chefs auch. "Ich hab wenig Probleme, den Alex zu soweit zu kriegen, dass er macht, was ich will" grinste einer. "Kenn ich von meinem Chef, den muss ich auch so behandeln."
So richtig durstig kamen wir gegen halbfünf an der Landeck an. Hmm, so gut hat mir schon lang kein Apfelschorle mehr geschmeckt :)). Da saßen wir nun an diesem schönen Fleckchen Erde, mit einem wunderbaren Rundumblick ins Pfälzer Land. Unsere kleine Eselkarawane erregte viel Aufmerksamkeit, schon unterwegs waren wir immer wieder mit Leuten ins Gespräch gekommen, und viele lächelnde Blicke geerntet.
"Wie hats euch gefallen?" fragte ich. "Also deine Schlenderwanderungen haben's in sich", grinste einer. "Langweilig sind die ganz sicher nicht." "Entspannend war's, man konnte die Landschaft schön genießen, Yan hat viel Ruhe reingebracht, war zwar anstrengend zum Laufen, aber trotzdem ein Tag so richtig zum Erholen." "Supergut. Neue Erfahrungen gemacht. Vorurteile über Bord geworfen, Esel sind nicht störrisch, man muss sie nur richtig behandeln."
Einig waren sich auch alle: Das war mal was ganz anderes. Hat Spaß gemacht. Zusammenhalt gebracht. Hat sich gelohnt...







