Silvester mit brasilianischer Show

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Darf nicht wahr sein. Eisregen war angesagt. Ausgerechnet heute. Doch trotzdem kamen fast alle Angemeldeten zu unserer fröhlichen Feier ins gemütliche Pfannestiel und ließen sich an den hübsch dekorierten Tischen nieder. Das Büfett erwies sich als sehr lecker und reichhaltig. „Klasse Preis-Leistungs-Verhältnis“, die einhellige Meinung.

Welche Silvesterbräuche gibt’s? Als Begrüßung hatte ich für alle zwei Glückssymbole mitgebracht: Einen Marienkäfer auf einem vierblättrigen Kleeblatt. Anhand eines vorbereiteten Faltblatts und ein paar eingepackter Utensilien erklärte ich Silvesterbräuche in verschiedenen Ländern: Zum Beispiel in Spanien, wo um Mitternacht 12 Trauben gegessen werden, bei jedem Glockenschlag eine. Der jüdische Brauch, bei dem Äpfel mit Honig serviert werden, damit das neue Jahr ein Zuckerschlecken wird. Die schöne argentinische Sitte, bei der alte Unterlagen geschreddert und aus den Fenstern der Hochhäuser geworfen werden, so dass es aussieht, als ob es schneit. Der chinesische Brauch, bei dem vor dem Neujahrstag die bösen Geister zur Tür hinausgekehrt werden und alles rot-gold geschmückt wird. Natürlich zeigte ich auch einen schönen roten Slip, wie ihn die Frauen in Chile tragen. Gerne hätte ich euch auch mitgenommen nach Brasilien an die Cocacabana, wo Tausende weißgekleideter Menschen in der warmen Sommernacht an den Strand strömen, vorbei an lauter fröhlicher Musik, mit Blumen auf kleinen Booten, die ins Meer auf große Fahrt geschickt werden, mit vielen Kerzen, die angezündet werden – blaue für Gesundheit, rote für die Liebe, weiße für Frieden in der Welt, und gelbe für das Geld. Nun, einen Strand haben wir hier nicht, aber zumindest ein Tablett mit dicken Kerzen hatte ich mitgebracht, die wir entzünden konnten.

Zündend war dann auch der Auftritt unserer brasilianischen Tänzerin Kristina, die nach dem Kultfilm „dinner for one“ zwischen unseren Reihen tanzte und zwischendurch auch auf der Theke. Viel Platz gab’s nicht, so konnte man sie in ihrem phantasievollen Aufzug und der tollen Figur wirklich aus nächster Nähe bewundern. Bald lockte die temperamentvolle Tänzerin die Zuschauer von den Sitzen und es wurde mit Begeisterung Salsa und Samba getanzt.

Um Mitternacht gabs Sekt und viele Umarmungen, bevor wir nach draußen gingen zum Feuerwerk. Aus allen Himmelsrichtungen zischten bunte Raketen zum Himmel. Inzwischen hatte ich die Hiobsbotschaft schon vernommen: Ein Gast hatte Bier über den Laptop der Wirtin geschüttet. Der war kaputt und damit auch der tolle Musikmix dahin, den Michaela für uns in ihrem Urlaub so liebevoll vorbereitet hatte, damit wir die Nacht durchrocken konnten. Während wir also das Feuerwerk bestaunten, rannte sie in die Nachbarkneipe und ergatterte zwei CD’s, damit wir weitertanzen konnten. Nicht ganz die Richtung, die wir uns gewünscht hätten, doch besser als nix. Die einen tanzten, die anderen waren beschäftigt mit Pendeln und Bleigießen und phantasievollen Deutungen.

Der Eisregen beschäftigte die Gemüter – viele hatten das Auto stehen lassen und mussten gegen 1 Uhr aufbrechen, um die letzte Bahn zu erreichen, andere sandten sorgenvollen Blicke zum Himmel und machten sich auf den Heimweg, nachdem sie sich noch kräftig an der nachmitternächtlichen Käseplatte gestärkt hatten. Und trotz der technischen Pannen sah ich viele zufriedene Gesichter, die sich von mir verabschiedeten und für den schönen Abend bedankten. Kristina, die brasilianische Tänzerin, bedankte sich auch bei mir für das offene Publikum, das so schön mitgemacht hatte. Wir werden sie übrigens wieder sehen, spätestens am 18. Juli, wenn wir im Schlachthof Bruchsal eine große Brasilianische Sommernacht feiern.