Städtetour nach Berlin

Pünktlich um 15.30 Uhr kommen wir am Hbf an. Joerg, der Clubleiter von Berlin, der uns die nächsten Tage begleiten wird und mit mir gemeinsam das Programm gestaltet hat, holt uns ab. Auch der Reiseleiter findet sich ein und los geht’s mit der Stadtrundfahrt „Berlin Klassik“, bei der wir einen ersten Überblick über die imposanten Gebäude gewinnen.
Koffer ins Zimmer. 3-Tages-Ticket eingesteckt. Auf zum Inder. Nach einem leckeren Essen sammeln wir uns gegenüber beim Tacheles zur Rotlicht-Tour. Erst ins Tacheles, Treppen rauf und runter, die Oranienburger Straße entlang, wo viele junge hübsche schlanke langhaarige Mädchen stehen, mit Highheels und hochgeschnürten Busen. Wir gehen noch in einen Laden, in dem Unterwäsche, flippige Klamotten und Perücken verkauft werden. Dann ist es mit der „Rotlichtführung“ vorbei, und wir hören eine zwar gut gemachte, aber ganz normale Stadtführung. Noch ein Absackerbier, der Tag war voll, man freut sich aufs Bett.
Freitag, 4. September
8.45 Uhr. Heute besuchen wir den Filmpark in Babelsberg. Joerg holt uns ab, mit der Bahn fahren wir nach Potsdam. Ein junger blonder Mann empfängt uns zu einer anderthalbstündigen Führung übers Gelände. Macht er wirklich gut. „Dort ist die Vulkanshow um 15.30 Uhr Ja, es ist laut, es knallt, es wird geschossen, für Kinder ist es nicht unbedingt geeignet, aber Sie sollten sich das anschauen. Ist wirklich sehenswert.“
„Leidet jemand an Klaustrophobie? Ich würde Ihnen gern das U-Boot zeigen.“ Alle kommen mit in den großen Kommandoraum. „Normalerweise ist der noch wesentlich kleiner, aber hier musste ja das ganze Team mit rein zum Drehen, deshalb wurde er so groß gebaut.“ Er öffnet die Luke. „Hier können Sie sich reinschwingen und mal ein wenig miterleben, wie man sich bei einem Unglück fühlt. Aber bitte steigen Sie nur ein, wenn Sie das wirklich auch ertragen.“
Tapfer schwingen sich fast alle durch die Luke. „Kommen Sie in die Mitte der Brücke“, lächelt unser blonder junger Mann. „Jetzt geht’s los. In 5 Minuten hol ich Sie wieder ab.“ Soll ich nicht lieber noch rausgehen? Zu spät, nun muss man dableiben. Mulmig wird’s mir schon – und nicht nur mir, als die Brücke mit Getöse zu schwanken beginnt, sich nach unten senkt, Donner grollt und eine Stimme von den Gefahren berichtet. Hoffentlich überstehen das alle gut. Als sich die Luke öffnet, sind einige bleich um die Nase und ich stolz auf mich, dass ich nicht gekniffen habe.
Weiter geht’s mit der Führung in die Kulissen. „Alles nur Illusion“, lächelt der junge Blonde. „Klopfen Sie mal auf die Steine, es sieht alles echt aus, aber es ist Gips oder Pappmache.“ Mit einem Bus fahren wir über das Geländer zur Berliner Straße. „Eine geniale Kulisse. Unglaublich, was hier schon alles gedreht wurde. Je nach Blickwinkel sieht das immer alles ganz anders aus.“ Beeindruckend auch die riesige Stahlkonstruktion, mit der die Kulissen gestützt werden. Die Backsteinhäuser sehen unglaublich echt aus, aber sie sind’s nicht.“
„Haben Sie großen Hunger? Ich würde Ihnen gern vor dem Mittagessen noch das 4-D-Kino zeigen.“ Das Kino hatten wir für uns. „Wozu sind denn die großen Bügel? Die sind ja mitten vor dem Gesicht?“ Die Antwort erhielten wir kurz darauf, als eine Stimme erklang. „Bitte legen Sie Ihre Taschen auf den Boden und verstauen Sie die Handys gut. Personen mit Bandscheibenschäden sollten die Fahrt nicht mitmachen. Halten Sie sich fest, die Sitze bewegen sich“ Die Eisenbügel schwenkten herab, ich krampfte die Hände darum und wünschte mich weit weg. Sicher ist das eine Achterbahn, so ein Ding würde ich aus eigenem Antrieb nie betreten, und schon geht’s los. Das ist zu viel für mich. Verkrampft versuche ich mich zu entspannen, die wirklich toll gemachte Animation zu bewundern und die Fahrt zu genießen, während ich mich am Bügel festhalte, der Sitz schwankt und ich starr vor lauter Schreck nicht wage, die Augen zuzumachen, aus Angst, dass mir dann sofort übel wird. Worauf hab ich mich da bloß eingelassen? Doch Vernunft hilft nicht gegen Angst, und so bin ich heilfroh, als sich endlich der Bügel löst. Wie sich herausstellt, bin ich nicht die einzige, die mit dieser Fahrt ihre Schwierigkeiten hatte – gut, dass es vor dem Essen war und nicht danach. Eigentlich würde ich es jetzt aber noch mal probieren, nachdem ich weiß, was mich erwartet.
Mittagessen gibt’s im Restaurant Eisenherz, ne nette mittelalterliche Atmosphäre ringsherum, man darf bloß nicht zur Decke mit dem Eisengestänge gucken. Nach dem Essen schlendern wir gemütlich zum „Vulkan“ mit der Stuntshow. Tatsächlich. Sie ist laut, es knallt, es wird geschossen, Feuer brennt, Körper fliegen durch die Luft, ein brennender Mann rennt über den Hof, eine blonde Amazone wird von Motorrädern gejagt, in ein Auto gezerrt, von einer schwarzhaarigen Frau bekämpft, muskulöse Typen seilen sich in die Zuschauertribünen ab und kämpfen mit. Riesenfeuerschwaden flammen auf, Hitzeschwaden wallen zu uns herüber. Ja. Die Show ist wirklich sehenswert.
Ein Kaffee zwischendurch, weiter das Gelände erkundet mit den Gräbern, aus dem Hände herausragen, der Folterkammer, dem Geisterhaus voller Spinnweben, alles nicht wirklich gruselig.
Zeit zur TV-Show. Wir lassen uns in den Rängen nieder. Zwei Kameras fangen die Zuschauer ein, bevor es losgeht. Zu schön die Reaktionen, wenn sich die Leute auf der Kamera entdecken, vor allem die Kinder sind süß. Schön auch die Reaktionen der Zuschauer, die nun auf die Bühne geholt werden. Matthias aus unseren Reihen ist auch mit dabei und spielt ein Lichtdouble. Macht er richtig gut. Und da man die DVD kaufen kann, können wir uns unseren Star auch zu Hause noch mal anschauen.
Der Tag war voll, noch ein Kaffee, Sammeln zur Nachhausefahrt, ein gemütliches lustiges Abendessen in einer Kneipe. Noch ein Absackerbier. Jetzt noch mit der U-Bahn in die Stadtmitte? Ne, lieber ins Bett. So ein Tag Laufen und frische Luft macht müde.
Samstag, 5. September
Ausschlafen. Joerg, der praktischerweise gerade um die Ecke wohnt, holt uns ab. Um 12 Uhr steht die Führung im Kanzleramt auf dem Plan. The same procedure wie im Flugzeug, schließlich sind alle durch, alle Taschen eingeschlossen, wir schreiten die breite Treppe hoch, sehen als erstes einen Imagefilm mit Angie, folgen unserer Führerin, die informativ und witzig die Architektur beschreibt, die geschwungene Decke wegen der guten Akustik, den grünen durchgängig verlegten Teppichboden, das rot gebeizte Holz. Wir stehen vorne auf dem Balkon, bewundern die Aussicht,
Anschließend fahren wir alle noch mit der U-Bahn, der Stummel, und dann zerstreuen sich die Gruppen in alle Winde. Die einen ziehts ins Museum, die anderen ins KaDeWe oder ins Olympiastadion.
Ich setze mich mit Joerg zusammen, der mit den Berlinern im nächsten Jahr nach Karlsruhe kommen will und wir entwerfen die ersten Pläne zur Programmgestaltung, schlendern später noch am Brandenburger Tor vorbei, wo gerade eine große Demo im Gange ist. Eine Band spielt. Menschenmassen stehen friedlich herum. Wir bummeln weiter, Unter den Linden, Richtung Oranienburgerstraße, noch ein Flammkuchen, dann ist es auch schon Zeit fürs Theater. „Männerschlussverkauf“ heißt das Stück, mit dem das immer wieder spannende Männer-Frauen-Thema neu beleuchtet wird.
Sonntag, 6. September
Zeit zum Abschied. Doch zuerst erleben wir noch eine dreistündige Tour durch die schönsten Parks in Berlin. Unser Reiseleiter, den wir ja schon von der Klassik-Tour her kennen, holt uns um 10.00 Uhr ab. Das Wetter ist nicht sonderlich freundlich, doch er lacht. „Ich mach das Beste draus.“ Tatsächlich. Die Tour ist wirklich spannend – die Zeit vergeht wie im Flug – um 14.00 Uhr sitzen wir müde, aber glücklich nach einer schönen reichen Tour im Zug.







