Urlaub am Gardasee

tagebuch bild

„Welche Eindrücke sind Euch hängen geblieben?“ fragte ich unsere Gruppe am letzten Urlaubsabend in Malcesine, als wir unser leckeres Vier-Gänge-Menü verzehrt hatten und schon langsam ans Kofferpacken dachten.

„Schönes Wetter, tolles Ambiente im Hotel, super Verpflegung.“ -

„Nette Menschen, schöne Gemeinschaft, lustige Gesellschaft, traumhafte Landschaft.“ -

„Olivenhaine, Palmen, glitzernde Sonne auf den Wellen.“ -

„Abschalten, Ruhe, Weite, Abschied vom Sommer.“ -

„Gute Organisation, schöne Ausflüge, viel gesehen, viel Sonne getankt“. -

„Viel geshoppt, getanzt, gelacht.“

Fazit: Tagsüber war’s schön, lustig, erholsam – abends hätten wir uns mehr Leben gewünscht und viele kreative Ideen gesammelt, wie sich das beim nächsten Urlaub erreichen lässt.

 

SONNTAG, 11. OKTOBER

Abfahrt morgens um 6 Uhr. „Gegen 17.00 Uhr sind wir in Malcesine“, verkündete Rainer, unser Busfahrer. 11 Stunden? Mit Sekt, Gebäck, lebhaften Gesprächen, vielen Pausen und kleinen Nickerchen vergingen die Stunden schneller als befürchtet. Sonnenschein begleitete uns auf der Fahrt.

Als der Gardasee in Sicht kam, wachten alle auf und bestaunten die herrliche Landschaft. Unser Hotel lag oben, in einer Panoramastraße, die meisten Zimmer mit Blick auf die malerische See- und Bergkulisse. Das erste Abendessen erwartete uns – ein köstliches Viergänge-Menü wurde aufgetragen. So lässt es sich doch wirklich gut leben.

 

MONTAG, 12. OKTOBER

MALECESINE

Der erste Urlaubstag. Zeit zur freien Verfügung und zum Relaxen. „Was machst du?“ fragte man sich gegenseitig beim Frühstück am ersten Morgen und blickte sorgenvoll nach draußen, wo dunkle Wolken aufzogen und die Schleusen sich öffneten. Doch nach einer Stunde war der Spuk vorbei, die Sonne zeigte sich und sie blieb die ganze Woche da. Den Kältesturz, der mitten im Oktober in Deutschland Schnee gebracht hatte, bekamen wir hier auch zu spüren, es war kalt. „Aber lieber kalt und sonnig. als mild und verregnet“.

Grüppchenweise zogen wir los. „War gut so, man hatte in der Freizeit immer jemand, mit dem man weggehen konnte, aber wenn man alleine los wollte, war das auch kein Problem. Sehr angenehm, dass sich das jeder einteilen konnte, wie er wollte.“ Man traf sich jeden Morgen am Frühstückstisch und jeden Abend zu den leckeren Vier-Gänge-Menüs, bei denen viel geschlemmt und gelacht und geplant wurde.

 

LIMONE

Erst mal schlenderten wir nach Malcesine, buchten eine Überfahrt nach Limone auf einem offenen Schiff. Das schaukelte über die Wellen, doch keinem wurde es schlecht, der frische Fahrtwind pfiff uns um die Ohren und ließ uns vor Kälte erstarren. Umso mehr genossen wir hinterher die Sonne, in der wir uns aufwärmten, als wir das malerische Limone erkundeten, eine leckere Pizza zu erstaunlich günstigen Preisen verzehrten, einen – oder auch viele – Blicke in die Geschäfte warfen, am Ufer in einem der einladenden Restaurants Platz nahmen, den Schiffen zuschauten und das Urlaubsflair aufsaugten.

Mit dem Schnellboot gings zurück, diesmal hatten wir uns ins warme Innere verkrümelt, der Hunger meldete sich und pünktlich zum Abendessen saßen wir auf unseren Plätzen. Nach dem Essen allerdings leerte sich der Speisesaal bald – an den ersten Abenden war nicht wirklich was los. Das hatte einerseits auch was Gutes, denn so gab es Gelegenheit, reichlich zu schlafen und Energie zu tanken, andererseits hätten wir gerne ein wenig mehr Abwechslung gehabt. Hätten wir auch kriegen können, wie sich am Abreisetag zeigte, als ich mit dem Hotelbesitzer in ein konstruktives Brainstorming kam und er mich fragte, ob ich nicht für nächstes Jahr mit ihm gemeinsam ein kreatives Urlaubsangebot für aktive Singles kreieren wolle.

 

DIENSTAG, 13. OKTOBER

VERONA

Um 10 Uhr geht’s los. Verona, die Stadt der berühmtesten Opernfestspiele und des berühmtesten Liebespaars (Romeo und Julia) der Welt, steht auf dem Plan. Eine Reiseleiterin ist an Bord, eine Italienerin, die ein vorzügliches Deutsch spricht. „Hab ich mit der horizontalen Methode gelernt“, grinst sie, als wir sie drauf ansprechen. „Ich hatte acht Jahre lang einen deutschen Freund.“

Sie kennt sich gut aus, hat viele Informationen für uns – irgendwann schalte ich ab, weil ich dem Redefluss nicht so schnell folgen kann - ich träume lieber zum Fenster hinaus und bewundere die schöne Landschaft, die Gebäude, die Brücken, die Stadttore. In Verona machen wir eine Stadtrundfahrt, dann geht’s zu Fuß durch die Straßen, natürlich zur Casa di Julietta mit der Statue: „Sie müssen unbedingt die rechte Brust anfassen, das bringt Glück“. Klar, das muss auch im Foto festgehalten werden.

Es gibt auch noch jede Menge andere Fotomotive, die die Fotografen in unserer Gruppe mit Begeisterung festhalten und die – in unserer internen Bildergalerie – veröffentlicht werden und die Erinnerung an die schönen Tage lebendig halten. Danach zerstreut sich die Gruppe, man trifft sich immer mal wieder, beim Shoppen, auf der Plattform eines Aussichtsturms, in Kirchen, und natürlich beim Kaffeetrinken in den vielen einladenden Restaurants. Ein schönes entspannendes Ritual, das sich in den folgenden Tagen immer wieder wiederholt.

 

Soldatenfriedhof Costermano

Die Rückfahrt führt uns an vielen Marmorsteinbrüchen vorbei und zum Soldatenfriedhof in Costermano, wo in schöner Kulisse über 20.000 deutsche Soldaten des Zweiten Weltkrieges ruhen. Ein Spaziergang über diese Stätte, ein kurzes Innehalten, dann geht’s zurück ins Hotel zum abendlichen Schlemmergenuss.

 

MITTWOCH, 14. OKTOBER

BRANDOLINO

Heute fahren wir in Richtung Norden des Sees, nach Brandolino zur Grappa-Brennerei. Morgens um halbelf? „Ja, das machen wir immer so“, lächelt der Busfahrer. Die Schnapsbrennerei beeindruckt uns. Ein Familienbetrieb, straff geführt von Pappa mit 88 Jahren. Die Brennerei ist sauber, gepflegt, liebevoll gestaltet – und bietet wahrhaft leckere Erzeugnisse. Grappa ist nicht mein Getränk, vor allem nicht so früh am Morgen. Aber der Eierlikör hats mir angetan – der ist wirklich was Besonderes, doch die anderen Liköre sind auch nicht zu verachten. Zum Glück gibt’s auch Brot und Käse zu essen, um eine kleine Grundlage zu schaffen. Eifrig wird probiert, und auch gekauft. Schließlich ist bald Weihnachten und es gibt wirklich schöne Geschenkpackungen zu günstigen Preisen.

 

RIVA

Fröhlich und beschwingt klettert die Gesellschaft wieder in den Bus zum nächsten Ziel, Riva. Hier ist Markt. Ein Großteil der Meute biegt gleich ab, die anderen folgen der Reiseleiterin zum Zentrum. Shoppen, an der Promenade entlang bummeln, beim Cappuccino die Sonne und den schönen Blick aufs Meer genießen. Der Marktplatz ist schön, aber ansonsten, so finden wir, bietet Riva nicht so viel. Malcesine gefällt uns weitaus besser.

Abends lockt wieder das feine mehrgängige Abendessen. Und wieder verschwindet der größte Teil der Reisegesellschaft um halbneun auf den Zimmern und während die Bedienungen den Tisch fürs Frühstück decken, suchen wir uns draußen in der Halle ein Plätzchen. Aber das Licht ist so hell. Ob es nicht möglich wäre, das Licht runterzuschalten? Der Chef lächelt: „Ja, wir machen ein bißchen romantic atmosphere“ und bringt uns unsere gewünschten Cocktails.

 

DONNERSTAG, 16. Oktober

BARDOLINO

Pünktlich um 9.00 Uhr geht’s los. Heute fahren wir nach Bardolino, der bekannten Weinstadt zum Marktbesuch. Hier ist ein riesiger Markt, Stand an Stand, Taschen über Taschen, Gürtel über Gürtel - aber hat Bardolino außer Markt und Kirche und Wein noch was zu bieten?

 

SIRMIONE

Weiter geht’s zur Halbinsel Sirmione, die genau in der Mitte des Südufers nach Norden in den See ragt. Die Kur- und Festungsstadt mit dem imposanten, ganz von Wasser umgebenen Skaliger-Kastell am Eingang zu den engen Altstadtgassen gefällt uns gut. Dahinter erstrecken sich baumreiche Gärten bis zur Spitze der Landzunge. Wir wandern an der Uferpromenade entlang, vorbei an den Schwefelquellen bis zu den Grotten des Catull, den weitläufigen Ruinen einer römischen Palastanlage aus der Kaiserzeit, lassen uns von der Sonne bescheinen und von den lockend aufgetürmten Eisbergen in den Cafes verführen.

„Um 17.30 Uhr können Sie einen Film sehen über die Herstellung des Olivenöls“, verkündet die Reiseleiterin. „Da bekommen Sie auch eine kleine Kostprobe, wie das Öl auf Brot schmeckt.“ Der Fernsehraum ist gut gefüllt, als wir ankommen. Der Film nett gemacht, er vermittelt einen kleinen Eindruck von dem großen Aufwand, den die Herstellung bedarf.

War wieder ein schöner entspannender Tag mit vielen Eindrücken, noch ein Weilchen relaxen, abends schlemmen – einige ziehen abends wieder los zu einer Strandwanderung, die anderen ziehts zur „romantic atmosphere“ mit Pina Colada und Ramazotti. Deutschland scheint soooo weit weg – diese faulen Sightseeing- und Genusstage könnten wir noch ein Weilchen aushalten…

 

Freitag, 16. Oktober

ROVERETO

Heute geht’s ein wenig ins Landesinnere, nach Rovereto. Eine zauberhafte Kleinstadt, die zweitgrößte im Trentino, die sich mit italienischem Charme und venezianischer Architektur präsentiert und dem imposanten Castel Venoto zu Füßen liegt. Hier steigen wir aus und folgen unserer Reiseleiterin. Satte 77 Jahre alt, lebhaft und voller Energie und voller Wissen und kleiner Anekdoten, die sie uns unermüdlich erzählt, anscheinend ohne Luft zu holen. Unglaublich, diese Frau. Die Läden hier finde ich übrigens sehr geschmackvoll, wirklich verlockend – (un)glücklicherweise schließen sie nachmittags.

Nach der Führung zerstreut sich die Gruppe, rund um den Marktplatz mit dem großen Brunnen findet man bekannte Gesichter, wir schlendern durch die Straßen, am Markt vorbei, lassen uns in einem sonnigen Cafe an vorderster Stelle nieder, und freuen uns über die unglaublich günstigen Preise. In den Gässchen verlieren wir uns etwas, aber dank Karte finden wir den Bus rechtzeitig wieder.

ARCO

„Wir könnten noch nach Arco fahren“, meint die Reiseleiterin. „Haben Sie noch Lust?“ Klar haben wir Lust auf den stilvollen Kurort mit seinem großen schön angelegten Park und der hübschen Altstadt, an einem schmalen Steilfelsen gelegen, auf dessen Spitze eine Burgruine thront und das sich inzwischen zum Mountainbike- und Kletterparadies entwickelt hat.

Auf dem Rückweg ins Hotel sehen wir hier auch mit einem gewissen Schaudern einige Freeclimber an den Felsen hängen, während sich auf dem Gardasee die Surfer und Segelboote tummeln und die Paraglider über uns schweben. Das Essen wird heute mit einem Cocktail eröffnet, und von einem Alleinunterhalter musikalisch begleitet. Nicht gerade meine Musik, aber zwei, drei ältere Paare tanzen doch. Ob er denn auch einen Twist könne, fragte ich den Musiker. Er kann. Und der Abend wird noch ausgesprochen lustig.

 

Samstag, 17. Oktober

Malcesine, die Burg und Goethes italienische Reise Freizeit zum Abschluss. Zeit für den Fitnessraum, Bewegung tut gut. Dann schlendern wir nach Malcesine, das wir heute genauer erkunden wollen. Nun haben wir ja auch einen Vergleich zu den anderen Orten und sind einhellig der Meinung: Malcesine gefällt uns am besten. Ein Ort mit viel Flair, engen Gässchen, lockenden Lädchen, einer interessanten Burg auf Goethes Spuren bei seiner italienischen Reise, hübschen Restaurants, sonnigen Terrassenplätzchen am See und einer schönen Uferpromenade vom Hotel direkt in die Altstadt.

Wir vertrödeln den Tag beim Schlendern, tanken nochmal Sonne in einem windgeschützten Restaurant direkt am See, schauen einer Hochzeit zu, die auf dem Schiff zelebriert wird, holen uns noch ein wenig Reiseproviant, lesen noch ein Stündchen und alle, die jetzt wieder selber kochen müssen, versammeln sich mit einer gewissen Wehmut zum letzten Mal um das leckere Vier-Gänge-Menü. Die Nacht wird lang – schlafen können wir auch morgen im Bus.

Sonntag, 18. Oktober

Rainer, unser Busfahrer, hat große Mühe, nach den vielen Shoppingtouren alles Gepäck zu verstauen. Doch pünktlich um 8.00 Uhr rollen wir los, Deutschland entgegen, mit vielen Wetterwechseln, mal mit Sonnenschein, mal mit heftigen Regenschauern, vorbei an schneebedeckten Hängen. Schließlich hat der Winter auch seine schönen Seiten…