Vortrag: Sag nicht JA, wenn du NEIN fühlst.

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, Nein zu sagen? Der Vortrag fand in Kooperation mit www.karlsruhe-entdecken.de statt. Die Autorin und Diplompsychologin Felicitas Heyne nannte in ihrem informativen Vortrag viele Gründe für dieses Verhalten, das durch Sätze wie „Du sollst“ oder „Du sollst nicht“ schon im Kindesalter geprägt werden kann. 

 

Sie erläuterte die Ängste, die mit dem NEIN verbunden sind.

 

Zum Beispiel: Vielleicht werde ich nicht mehr gemocht und ich verliere meinen Partner? Vielleicht hat es schlimme Folgen und ich verliere meinen Job? Vielleicht halten die anderen mich für herzlos und egoistisch und ich verliere Freunde? Vielleicht verletzt das, was ich sage, den anderen? Oder vielleicht verpasse ich was Wichtiges?

 

Sie stellte uns hilfreiche Gedanken für den Umgang mit Ängsten vor.

 

Zum Beispiel die Angst „Wenn ich nein sage, dann bin ich egoistisch“ zu ersetzen durch „Einen Wunsch zu äußern macht mich noch nicht zum Egoisten“. Denn oft, so zeigt sich in der Realität, verzichtet man schweren Herzens auf Dinge und Unternehmungen, die man gerne hätte, weil man glaubt, dass der oder die andere das nicht wolle – und hinterher stellt sich heraus, dass der/die andere das auch gern gewollt hätte, aber sich ebenfalls nicht traute, zu fragen.

 

In jedem Nein zu anderen steckt auch ein Ja zu sich selbst.

 

 Denn ein Ja heißt, eigene Ziele zu verfolgen und sich und die eigenen Bedürfnisse genausowichtig zu nehmen wie die Bedürfnisse der anderen. „Machen Sie Termine mit sich selbst. Das Schaumbad am Abend, auf das Sie sich den ganzen Tag freuen, ist genauso wichtig wie der Anruf der Freundin, die sie plötzlich kurzfristig als Babysitter einspannen will.“

 

Doch wie formuliert man ein Nein?

 

„Das Wichtigste dabei ist die Körpersprache. Die muss zur Aussage passen. Denn ein gesprochenes NEIN wird nicht gehört, wenn die Körpersprache Ja signalisiert.“

 

Wichtig für ein körpersprachliches NEIN ist ein fester Standposition, das Vermeiden von Verlegenheitsgesten wie zu häufiges Kopfnicken, (das Wackeldackel-Syndrom, als säße im Hals ein Scharnier zu locker), und natürlich das unsichere Lächeln, das jedes NEIN unglaubwürdig macht.

 

 

Kleines Handbuch für die/den Profi-Neinsager/in

 

Felicitas Heyne hatte uns ein „Kleines Handbuch“ zusammengestellt, das alle mit nach Hause nehmen konnten. Eine Art „Werkzeugkasten“, aus dem sich jede/r die passenden Methoden aussuchen kann. Zum Beispiel die richtige Stelle für das NEIN, das – im Partnerschaftsbereich - nicht gleich am Anfang eines Satzes platziert werden sollte, oder den POSITIV-PUFFER, der das Nein abmildet. Oder das MITGEFÜHL, das dem anderen zeigt, dass man ihn ernst nimmt. Oder die AUSNAHME, die deutlich macht, dass das NEIN nur für diesen Fall gilt. Gut könne man auch mit BEGRÜNDUNGEN argumentieren, verbunden mit ALTERNATIVVORSCHLÄGEN. „Als ich angefangen habe, deine Tochter nach der Schule mit zu betreuen, war mir nicht bewusst, dass ads eine Dauerlösung sein soll. Ich mag Vanessa sehr, aber mir ist das langfristig zu viel. Ich kann dir aber die Nummer einer sehr netten Studentin besorgen, die das sicher gern übernimmt.“

 

 

Strategien der Bittsteller

 

„Das Ziel ist Manipulation. Die Strategien vielfältig, mit denen man Sie weichkochen will.“ Zum Beispiel mit Lob, indem man gesagt bekommt, wie unentbehrlich man sei. Oder mit Aggression: Wofür bezahle ich Sie? Oder: Wie kannst du nur so egoistisch sein? Oder durch Überrumpelung, damit Sie zustimmen, bevor Sie nachdenken.“

 

 

Passepartout an Begründungen

 

Felicitas Heyne lieferte uns auch ein „Passepartout an Begründungen“, jeweils mit ein paar Beispielen und machte deutlich, dass Absagen ehrlich sein sollten. „Menschen spüren, wenn sie angelogen werden“.

 

Präventivmaßnahmen: “Sie müssen der Mutter oder Freundin nicht erzählen, wenn Sie Urlaub haben und befürchten, dass Sie dann gleich über Ihren Kopf hinweg verplant werden.“

 

Zeit gewinnen: „Ich muss mich mit meinem Mann / meiner Frau absprechen, ich weiß nicht, ob wir da schon was vorhaben.“

 

Fangfragen ausweichen. „Wenn jemand fragt, ob Sie am Wochenende schon was vorhaben, sagen Sie weder Ja noch Nein, sondern fragen Sie erst mal nach, warum.“

 

Auf Grundsätze verweisen: „Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, trinke ich grundsätzlich nicht.“

 

Kaputte Schallplatte, bei der man immer wieder denselben Satz wiederholt, z.B.: Danke, ich habe kein Interesse.“

 

Abgressionen abwehren: „Offenbar weißt du genau, wie du mir wehtun kannst. Aber damit wirst du mich diesmal nicht herumkriegen“

 

Emotionale Erpressung abwehren: „Also ehrlich, das klingt ja fast nach Erpressung. Aber so meinst du das ja sicher nicht, oder?“

 

Fazit:

Ein sehr interessanter Vortrag. Eine Menge Techniken. Nun gehts drum, sie auch umzusetzen, die "eigentlichs" aus dem Sprachschatz weitgehend zu verbannen und die Gratwanderung zu finden, wie die eigenen Bedürfnisse mit denen der Mitmenschen vereinbart werden können.