Weinlese beim Winzer

Ein nebliger Samstagmorgen. Morgens um Viertel nach Acht standen wir am Parkplatz der Winzergenossenschaft in Neuweier. Fünf Leute vom Freizeittreff, die ausgezogen waren zur Weinlese. Dagmar sammelte uns ein, wir fuhren ihr in die Weinberge hinterher. Wie um Gottes willen kennt man sich da aus zwischen all den Reben? Alte Schuhe an, Regenjacke drüber, ein rechteckiger Behälter wurde uns in die Hand gedrückt. Dagmar rüstete uns mit speziellen Gartenscheren aus. "Immer zwei in eine Reihe gegenüber. Wir fangen bei der Tür an und arbeiten uns vor bis zur Straße". Wir hatten uns vorgestellt, dass man die Traubenzwacken "einfach nur abschneiden müsse". Weit gefehlt. Jede einzelne musste untersucht werden - gar nicht so einfach, zu unterscheiden, was denn nun Edelfäule war und was Essig. Spätestens bei der Geruchsprobe war es klar...
Zum Mittagessen kam die Sonne raus, als ein VW-Bus mit Biertischen und Bänken herantuckerte. Die wurden schnell abgeladen, ein paar Laib Brot auf den Tisch, Wurst dazu, Gurken und was zu trinken. "Nein, mittags gibts noch keinen Wein, erst abends", lächelte der Chef. Das wahrhaft rustikale Mahl schmeckte gut nach der körperlichen Arbeit. Frisch gestärkt ging's nach einer Stunde weiter zur nächsten Parzelle. Mein Gott, so eine Reihe kann lang werden... *seufz*

Viel Arbeit. Klebrige Finger. Ziemliche Rückenschmerzen - was für ein immenser Aufwand, um Wein herzustellen - und die Lese ist ja nur ein winziges Stück Arbeit in einer langen Kette. Andererseits auch ein sehr kommunikatives Ereignis, es wurde viel gequatscht und gelacht und gefragt. Wie ich vom Winzer hörte, haben sich schon viele Liebschaften zwischen den Reben gesponnen. Vielleicht sollte man mal ein Flirtevent draus machen?  *lächel*
Wir vom Freizeittreff haben es ja nicht für Geld getan, sondern wir wollten einfach mal reinschnuppern in eine andere Welt. An dem Tag hab ich viel Achtung gewonnen vor dem Wein. Ich mag ja viel lieber Schokolade als Alkohol und trinke deshalb wenig Wein. Ich Zukunft aber, hab ich mir vorgenommen, werde ich öfter mal ein Glas trinken, vor allem im Februar im nächsten Jahr, wenn "unser" Wein fertig ist. Aber den Bocksbeutel aus der letzten Ernte, den wir heute geschenkt bekamen, hab ich abends beim heißen Relax-Bad sehr genossen.